Manuelle Lymphdrainage

Das Lymphödem ist eine Schwellung die Arme, Beine und kann alle anderen Körperteile betreffen, es entsteht meist sekundär in Folge einer Krebsbehandlung, grossflächiger Unfallverletzungen, Sportverletzungen u.a.. Unbehandelt schreitet das Lymphödem fort und kann elephantiastische Ausmasse annehmen, dabei kann das Gewebe bretthart (Fibrose) werden und die Bewegung erheblich einschränken. Der heutige „Goldstandard“ zur Behandlung dieser Lymphödeme ist die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE), sie besteht aus den Massnahmen Manuelle Lymphdrainage, Kompressionsbandage, Hautpflege, Bewegungsübungen und die Selbstbehandlung des Patienten.

Die KPE wurde erstmals 1892 von Alexander von Winiwarter einem österreichischen Arzt beschrieben. Die Manuelle Lymphdrainage nach Dr. E. Vodder wurde mit ihren Grundgriffen erstmals 1936 auf der Exposition pour Beauté et Santé in Paris vorgestellt.

Der Dozent, Hans Pritschow hat seine MLD Ausbildung 1977 bei Dr. Asdonk einem Schüler von Vodder absolviert. 1982 hat er Dr. Vodder persönlich kennengelernt und die Voddermethode an der „Dr. Vodderschule, Lehrinstitut der Klinik für Phlebologie und Lymphologie Prof. Földi“ in Freiburg gelehrt. Seit 1991 werden in der Lymphologischen Physiotherapeutischen Schwerpunktpraxis Hans Pritschow (Schwarzwald) Lymphödempatienten ambulant auf klinischem Niveau behandelt.

Der Lehrgang manuelle Lymphdrainage hat das Ziel die Teilnehmer auf die erfolgreiche Behandlung von Lymphödempatienten in der ambulanten Praxis vorzubereiten. Neben der Anatomie, Physiologie und Pathophysiologie des Lymphgefässsystems wird der gesamte Ablauf in der Praxis, vom Erstbefund und der Therapieplanung, über die Lymphdrainagemassagetechnik, die Bandagetechnik, die Übungsbehandlung und die Ausbildung des Patienten in der Selbstbehandlung vermittelt. Besonderheit sind die Patientenvorstellungen in den letzten zwei Modulen. Dieser Kurs wird Dein therapeutisches Handeln, nicht nur bei Lymphödempatienten, optimieren und die ganzheitliche Sicht unserer Arbeit am Patienten verbessern.

Der Lehrgang manuelle Lymphdrainage dauert 21 Tage, umfasst insgesamt 164 Stunden und entspricht den Anforderungen des EMR und der Stiftung ASCA. Die Ausbildung ist aufgeteilt in 7 Module à 3 Tage. Jedes Modul enthält einen theoretischen und einen praktischen Teil.

Von den Teilnehmer wird erwartet, dass sie zwischen den einzelnen Modulen regelmässig üben.

Lernziele

  • Den Kursteilnehmern die anatomischen, physiologischen und pathophysiologischen Grundlagen zur Befundung und Beurteilung von Ödemen und deren physikalischen Therapie zu vermitteln.
  • Die Kursteilnehmer kennen/erkennen die absoluten und relativen Kontraindikationen der Manuellen Lymphdrainage, der Bandagierung, der Übungsbehandlung, sowie der Hautpflege, respektive der KPE (Komplexe Physikalische Entstauungstherapie).
  • Die Absolventen sollen in der Lage sein Lymphödeme, Phlebolymphostatische Ödeme, Lipödeme und deren Kombinationsformen, sowie posttraumatische/postoperative Ödeme zu unterscheiden und mit der Manuellen Lymphdrainage / Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie erfolgreich zu behandeln.

Lerninhalte

Basiswissen

Theorie:

  • Geschichte und Entwicklung der Manuellen Lymphdrainage • Allgemeine Anatomie und Physiologie des Blutkreislaufes
  • Aufbau und Funktion des interstitiellen Bindegewebes, Physiologie des interstitiellen Stoffaustausches, Diffusion, Osmose, Kolloidosmose, Filtration, Reabsorption, aktive Zelltransporte, Blutkapillarpermeabilität
  • extravaskuläre Zirkulation der Bluteiweiße • Stoff- und Flüssigkeitsaustausch in der terminalen Strombahn, Starling'sches Gleichgewicht • Allgemeine Anatomie der Lymphgefäße und Lymphknoten
  • Physiologie des Lymphsystems (Drainagefunktion, Lymphbildung, lymphpflichtige Substanzen, Lymphtransport, Lymphtransportkapazität, Abwehr- und Filterfunktion) die Lymphflüssigkeit, Chylus
  • Wirkungsmechanismen der manuellen Lymphdrainage
  • Spezielle Anatomie der Hauptlymphgefäße sowie der Lymphsysteme der verschiedenen Körperregionen und der Haut
  • Kontraindikationen für Manuelle Lymphdrainage, insbesondere: Akute Infekte, dekompensierte Herzinsuffizienz, akute Phlebothrombose, lokales Tumorrezidiv, lokale Tumormetastasierung, akute Ekzeme im Ödemgebiet
  • Grundlagen der Kompressionsbandagierung, Materialkunde, Wirkungen der Kompressionsbandage

Praxis:

  • Prinzipielles Vorgehen bei der Manuellen Lymphdrainage • Grifftechniken der Manuellen Lymphdrainage, Stehender Kreis, Pumpgriff, Drehgriff, Schöpfgriff
  • Behandlung der einzelnen Körperpartien (Hals, Gesicht, Arme, Rücken, Lende, Brustkorb, Bauch, Beine)
  • Bandagetechnik: Zehen-, Fuß- und Unterschenkelbandage

Teil 1: Posttraumatische / postoperative Ödeme / akute Lymphödeme, phlebolymphostatische Ödeme

Theorie I:

Behandlung des posttraumatischen/postoperativen akuten Lymphödems, spezielle sportphysiotherapeutische Aspekte. Bei Frakturen, Prellungen, Distorsionen, Zerrungen, Verrenkungen, Schmerzzuständen, postoperativen Ödemen und Hämatomen, sowie Ödemen bei Verbrennungen. Pathophysiologie und Stellenwert der MLD Therapie sowie weitere begleitende Therapien. Sudeck-Syndrom, CRPS, SRD: Pathophysiologie, ärztliche Therapie, Möglichkeiten der Manuelle Lymphdrainage als Zusatztherapie.
  • Befundung: Anamnese, Palpation, Inspektion -> Diagnose
  • Behandlungsziel, Prognose
  • Spezifische Kontraindikationen
    relative: Schock, Frakturen, Gehirnerschütterung
    absolute: akute bakterielle Entzündung (Biss, offene Fraktur...), Kompartmentsyndrom
  • Dokumentation (spez. Fotodokumentation, Umfangsmessung) • Behandlungssystematik, Therapieplanung • MLD und spezifische funktionelle Kompressionsbandage
  • Kombination von MLD/KPE mit anderen physiotherapeutischen Maßnahmen

Praxis I:

  • Wiederholung: Behandlung der einzelnen Körperpartien (Hals, Gesicht, Arme, Rücken, Lende, Brustkorb, Bauch, Beine)
  • Bandagetechnik: Arm- und Beinbandage
  • KPE bei verschiedenen postraumatischen/ postoperativen Ödemen und Sportverletzungen

Theorie II:

  • Behandlung von Ödemen auf Grund einer chronischen venösen Insuffizienz
  • Anatomie, Physiologie der Venen, pathophysiologische Konsequenzen von Venenerkrankungen und daraus resultierende Insuffizienzformen des Lymphgefässsystems
  • Befundung: Anamnese, Palpation, Inspektion -> Diagnose
  • Behandlungsziel, Prognose
  • Spezifische Kontraindikationen relative: Hautpilzerkrankungen, Thrombophlebitis, cardiales Ödem, PAVK > Stad. IIB absolute: Venenthrombose
  • Dokumentation (spez. Fotodokumentation, Umfangsmessung)
  • Behandlungssystematik, Therapieplanung
  • MLD und spezifische funktionelle Kompressionsbandage
  • Kombination von MLD/KPE mit anderen physiotherapeutischen Maßnahmen (z.B. Hydrotherapie, Sauna...)
  • Der Kompressionsstrumpf: Materialkunde (Rund- und Flachstrickversorgung), Kompressionsklassen, Stellenwert der Kompressionsstrumpfversorgung
Praxis II:
  • Behandlung des phlebolymphostatischen Ödems und Ulcus cruris venosum, MLD Kontaktaufnahme Hals, Bauch- und Bauchatemgriffe, Beinbehandlung, MLD Griffe am Ulcus cruris venosum (darf nur unter ärztlichen Aufsicht durchgeführt werden)
  • Spezielle Techniken der MLD und Beinbandagierung mit Schaumgummipolsterung
  • Patientenedukation: Selbstbehandlung mit MLD, Selbstbandage, Übungsprogramm

Teil 2: Sekundäres Armlymphödem n. Brustkrebsbehandlung

Theorie:

  • Das einseitige und beidseitig sekundäre Armlymphöde nach Brustkrebsbehandlung: Sentinel Lymphknotenoperation, Bestrahlung und Chemotherapie. Das Lymphödem als sekundär Folge, mögliche Drainagewege bei mechanischer Insuffizienz der axillären Lymphknoten
  • Komplikationen in der Therapie: Radioderm, Radiofibrose, Radiofibrotische Plexusschädigung, Strahlenschädigungen sonstiger Organe, mögliche Anzeichen eines malignen Prozesses, Papillomatosis cutis, Hyperkeratosis lymphostatica, lokale Immunschwäche (rez. Erysipelinfektion), Lymphzysten und Lymphfisteln
  • Befundung: Anamnese, Palpation, Inspektion -> Diagnose
  • Behandlungsziel, Prognose
  • Kontraindikationen
    relative: Schock, Frakturen, Gehirnerschütterung
    absolute: akute bakterielle Entzündung (Biss, offene Fraktur...), Kompartmentsyndrom
  • Dokumentation (spez. Fotodokumentation, Umfangsmessung)
  • Behandlungssystematik, Therapieplanung
  • MLD und spezifische funktionelle Kompressionsbandage
  • Kombination von MLD/KPE mit anderen physiotherapeutischen Maßnahmen

Praxis:

  • Technik der speziellen Armbandage mit Schaumgummipolsterung
  • Umfangsmessung und Fotodokumentation
  • Behandlung des einseitigen sek. Armlymphödems mit der KPE
  • Behandlung des bds. Armlymphödems mit der KPE
  • Behandlung des sek. Armlymphödems mit Komplikationen
  • Spezialgriffe der MLD bei verschiedenen Ödemzuständen

Teil 3: Sekundäres Beinlymphödem nach Unterleibskrebsoperation; sekundäres Kopflymphödem; Lipödem und Kombinationsformen

Theorie:

  • Das einseitige und bds. sek. Beinlymphödem n. Unterleibskrebsoperation Lymphknotenentfernung, Bestrahlung und Chemo-therapie.
  • Plattenepithelkarzinomoperation im Kopf- Halsbereich, Bestrahlung und Chemotherapie.
  • Das Lymphödem als sekundär Folge der Krebstherapie (iatrogen), mögliche Drainagewege bei mechanischer Insuffizienz der cervicalen Lymphknoten. Komplikationen in der Therapie: Radioderm, Radiofibrose, Radiofibrotische Plexusschädigung, Strahlenschädigungen sonstiger Organe, mögliche Anzeichen eines malignen Prozesses, Papillomatosis cutis, Hyperkeratosis lymphostatica, lokale Immunschwäche (rez. Erysipelinfektion), Lymphzysten und Lymphfisteln
  • Lipödem: Differenzierung zwischen Adipositas, Lipohypertrophie, Lipödem und LipoLymphödem, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie
  • Befundung: Anamnese, Palpation, Inspektion -> Diagnose
  • Behandlungsziel, Prognose
  • Kontraindikationen
    relative: aktiver bösartiger Prozess (Paliativbehandlung?), akute bakterielle Entzündung, interdigital Mykose,
    absolute: akute bakterielle Entzündung (Erysipelinfektion)
  • Kombination von MLD/KPE mit anderen physiotherapeutischen Maßnahmen
  • Theoretische Grundlagen des sekundären Kopflymphödem nach Neckdissektion
  • Therapie und Therapieplanung
  • Prognose
  • Andere physiotherapeutische Maßnahmen bei Lymphödem und Lipödem

Praxis:

  • Behandlungssystematik, Therapieplanung, Prognose
  • MLD Behandlung, spezielle Grifftechniken, Ödemgriffe, Hautlockerungsgriffe
  • Beinbandage mit Schaumgummipolsterung (ruhig und unruhig)
  • Dokumentation, Ödemvolumenbestimmung, Umfangsmessung, Fotodokumentation