Focusing Basistraining

Selbsterfahrungsbezogene Einführung in die Grundlagen des Focusing Ansatzes nach Prof. E.T.Gendlin, dem Begründer der Focusing-Methode.

Was ist Focusing?

Der Begriff „Focusing“ wurde eingeführt von E.T. Gendlin, der in den fünziger Jahren des 19. Jahrhunderts in der Forschungsgruppe um Carl Rogers arbeitete. Rogers fand im Rahmen dieser Forschung heraus, dass für den Erfolg von Beratung und Psychotherapie zentrale Qualitäten der BeraterInnen- Haltung gegenüber der KlientIn maßgeblich sind: Empathie, Wertschätzung und Kongruenz der BeraterIn. Gendlin fand heraus, dass neben diesen Beziehungsqualitäten der BeraterIn auf seiten der KlientIn eine zentrale Fähigkeit bzw. Haltung entscheidend ist, um von Beratung profitieren zu können: die Fähigkeit, auf das unmittelbare eigene Erleben Bezug nehmen zu können bei der Bearbeitung eines belastenden Themas. Er nannte diese Fähigkeit bzw. diesen inneren Prozess „Focusing“ - das Fokussieren auf den eigenen, unmittelbar vor sich gehenden Erlebensprozess, aus dem sich die persönliche Bedeutung einer Situation/eines Themas entfaltet. Das unmittelbare Erleben im Jetzt, ein Begriff des deutschen Phänomenologen Dilthey, übersetzte Gendlin mit „Experiencing“, das adjektiv dazu, experiential - erlebensbezogen. Aus diesem „experientiellen Ansatz“ entwickelten sich in der Folge eigene Therapie- und Beratungsformen. Im Mittelpunkt der Experientiellen Methodik steht auf seiten der prozessbegleitenden Person die Fähigkeit, eine KlientIn darin zu unterstützen, in Kontakt mit sich selbst zu kommen.

Als Selbsthilfemethode bietet die Focusing-Methodik Zugangsweisen zum eigenen Erleben im Alltag als Grundlage persönlicher Orientierung in unklaren, belastenden Situationen. Bezugspunkt ist hier die Lösung innerer Spannungen, die mit Belastungen einhergehen. Aber auch für schöpferische Tätigkeit ist Focusing hilfreich: die Entwicklung einer neuen Idee, kreatives Schreiben, Malen... überall da, wo das körperlich Spürbare stimmigen Ausdruck finden will.

Inhalte des Basistrainings: Überblick

  • Focusing erleben in Übungen und Demonstrationen
  • Grundlagen der Focusing-orientierten Begleitung anderer Personen anwenden
  • Focusing - Elemente in der alltäglichen/beruflichen Gesprächsführung einbeziehen
  • Focusing für sich selbst nutzen in partnerschaftlichem Focusing-Sitzungen

Vier Kurseinheiten Basistraining: Schwerpunkte

In Kurseinheit 1 wird durch methodenbezogene Selbsterfahrung mit dem Kursleiter die Methode des Focusing erlebbar, Grundkonzepte wie Felt Sense (spürbarer Sinn), Felt Shift (spürbare Veränderung) und „guter innerer Abstand zu Themen/Belastungen“ werden im eigenen Erleben verstehbar und ergänzt durch das Miterleben solcher Prozesse bei anderen KursteilnehmerInnen. Die fachlichen Grundlagen des Focusing Ansatzes werden an diesen Beispielen schrittweise eingeführt.

In Kurseinheit 2 geht es darum, Erfahrung zu sammeln mit grundlegenden Methoden der Begleitung von Focusing-Prozessen bei anderen Personen. Dazu gehören die Focusing Schritte, wie sie in Kurseinheit 1 demonstriert wurden, und die Möglichkeiten, innerlich Freiraum zu schaffen. Hinzu kommen die verschiedenen Modalitäten, in denen sich körperlich spürbare Empfindungen ausdrücken, explizieren lassen.

In Kurseinheit 3 beschäftigen wir uns mit Möglichkeiten, Focusing - Angebote im laufenden Gespräch einzubeziehen. Dies kann beispielsweise hilfreich sein, wenn die GesprächspartnerIn sich im Denken blockiert fühlt, nicht weiterkommt mit Überlegungen. Hier können auch Situationen mit Personen im beruflichen Umfeld einbezogen werden. Ein wesentlicher Aspekt wird hier methodisch hervorgehoben: Was löst eine GesprächspartnerIn bei mir aus - und wie kann ich mich aus strukturgebundenen eigenen Mustern beim Umgang mit anderen Personen befreien und zu frischen Reaktionen kommen?

In Kurseinheit 4 werden Voraussetzungen geschaffen, die Methoden des Focusing auch im weiteren Alltag zu nutzen: da sich die Anwendung von „Focusing allein“, ohne begleitende Unterstützung, oft als schwierig erweist, wurde für das Praktizieren von Focusing im Alltag die Einrichtung von Focusing Partnerschaften entwickelt, in der Focusing-Erfahrene sich wechselseitig unterstützen in der Durchführung von Focusing-Prozessen . Im Kurs werden die wesentlichen Regeln und Rahmenbedingungen für diese Praxis vorgestellt. Das Partnerschaftliche Focusing bietet beides: Erfahrung und Sicherheit gewinnen bei der Anleitung von Focusing, und Focusing für sich selbst zu nutzen bei der Lösung von Alltagsproblemen.

Die weiteren Kurs- Stufen bauen auf dem Basiskurs auf:

Im Aufbaukurs geht es um die Begleitung von Personen, die Focusing noch nicht kennen, und um die Einbeziehung von Focusing in die eigene berufliche Praxis.

Im Focusing-TrainerInnen-Kurs können die TeilnehmerInnen eigene Anwendungsformen und Praxisbereiche entwickeln, erproben und anbieten.

Focusing-Ausbilder: Hintergrund und Qualifikationen

Die Fortbildung wird durchgeführt von den Diplom-Psychologen Hejo Feuerstein und Dieter Müller - zwei erfahrene Focusing Fachleute, die ihre Ausbildung bei E.T. Gendlin in Chicago erhalten haben. In Deutschland haben sie über mehrere Jahre mit Gendlin gemeinsam Focusing Fortbildungen durchgeführt. Sie sind ausbildungsberechtigte Koordinatoren am International Focusing Institute in New York (gegründet von E.T. Gendlin), leiten seit 1987 das Focusing Zentrum Karlsruhe (FZK). 1997 gründeten sie die Deutsche Focusing Gesellschaft (DFG) und sind seither im Vorstand dieses Berufsverbandes tätig. Beide sind approbierte Psychotherapeuten; darüber hinaus sind sie spezialisiert im Bereich Erlebensbezogener/ Experientieller Supervision und Coaching. Sie sind anerkannte Ausbilder für Personzentierte Beratung und Psychotherapie in der deutschen Gesellschaft für Personzentrierte Beratung und Psychotherapie (GwG).