Die manuelle Lymphdrainage ist eine Therapieform der physikalischen Anwendungen, ihre Wirkungsweise ist breit gefächert. So dient sie unter anderem als Ödem- und Entstauungstherapie geschwollener Körperregionen, wie Körperstamm und Extremitäten (Arme und Beine), welche nach Unterleibs- und/oder Brustkrebsoperationen entstehen können. Durch kreisförmige Verschiebetechniken, welche mit leichtem Druck angewandt werden, wird die Flüssigkeit aus dem Gewebe in das Lymphgefäßsystem verschoben. Die manuelle Lymphdrainage wirkt sich überwiegend auf den Haut- und Unterhautbereich aus und soll keine Mehrdurchblutung, wie in der klassischen Massage, bewirken. Weitere Indikationen sind sämtliche orthopädische und traumatologische Erkrankungen, die mit einer Schwellung einher gehen (Verrenkungen, Zerrungen, Verstauchungen, Muskelfaserriss etc.) Auch bei Verbrennungen, Schleudertrauma, Sudeck und ähnlichen Krankheitsbildern führt die richtige Anwendung der Manuellen Lymphdrainage nach Dr. Vodder zu einem schnellen Therapieerfolg.
Auch in der Schmerzbekämpfung, wie auch vor und nach Operationen tut sie gute Dienste, das geschwollene, mit Zellflüssigkeit überladene Gewebe zu entstauen. Der Patient spürt eine deutliche Erleichterung, Schmerzmittelgaben können verringert werden, der Heilungsprozess verläuft schneller. Kontraindikationen (Gegenanzeigen) sind hierbei genau zu beachten wie z.B. eine dekompensierte Herzinsuffizienz, akute, fieberhafte, bakteriell Entzündungen oder ein kardiales Ödem.
Bei ausgeprägten lymphatischen Erkrankungen (Stauungen) wird diese Therapie mit Kompressionsverbänden, Hautpflege und spezieller Bewegungstherapie kombiniert und unter dem Begriff Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) zusammengefasst.
Es wurde des Öfteren versucht, mit Geräten zur Lymphdrainage ähnliche Erfolge wie durch die manuelle Lymphdrainage zu erzielen, allerdings liegen derartige Geräte von der Effizienz her weit hinter einer manuellen Behandlung.
Anfang der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts entwickelte der Däne, Dr. phil. Emil Vodder, eine Lymphdrainagemassage und nannte sie „Manuelle Lymphdrainage ad modum Vodder“. Vodder, der 1932 als Masseur an der Cote d´Azur arbeitete, schrieb: „... ich kam auf die Idee, einen Lymphatiker mit hart geschwollenen Halslymphknoten mittels einer leichten Massage zu behandeln. ... Es war riskant, aber ich hatte Erfolg,...“ Er stellt sich die Frage: „Wäre es möglich, dass die in diesen Ablaufkanälen und Schleusen (Gefäße und Lymphknoten) entstandenen Stauungen durch eine Massage zu beseitigen?“
Vodder siedelte 1933 nach Paris um und setzte dort seine Studien fort. Er begegnete unter anderem dem bedeutenden Lymphgefäßanatomen Rouviére und erwarb das Buch „Die Anatomie der Lymphgefäße“ von Sappey (1874). An diesen Sappeyschen Darstellungen des Lymphgefäßsystems orientieren sich die Vodderschen Lymphdrainagegriffe mit ihrer Druckrichtung und Reihenfolge bis heute.
1936 stellte Vodder erstmals seine Methode auf der „Exposition de Beauté et Santé“ in Paris vor. Seine Grundgriffe, nämlich der Stehende Kreis, der Pumpgriff, der Schöpfgriff und der Drehgriff, unterscheiden sich von den klassischen, schwedischen Massagegriffen durch den immer kreisförmig im Sekundenrhythmus durchgeführten Bewegungsablauf, den in Lymph-Abflussrichtung ansteigenden und dann wieder abnehmenden Druck, die Großflächigkeit und, dass nicht über die Haut gerieben bzw. gerutscht wird.