Diakonie, die Bedeutung des Begriffs beschäftigt mich schon lange, immer wieder. Was heisst das genau, wie kann ich Diakonie leben und umsetzen in meinem Alltag sei es als Ehefrau und Mutter oder als Therapeutin. Ich bin zum Schluss gekommen, dass Diakonie genau wie der Glauben eine Lebenseinstellung ist, anders ausgedrückt, dass Diakonie aus meinem Glauben fliesst.
Wie sieht dann diese Lebenseinstellung aus? Grundsätzlich ist sie radikal anders, als diejenige die uns von der „Welt“ vermittelt wird. Mein Leben hat nur einen Wert, wenn es ganz unter Gottes Herrschaft steht, aber was bedeutet das? Es bedeutet, dass ich ihm alle meine Wünsche, Bedürfnisse, Handlungen, Gedanken usw. unterordne, ihm die Paddel und das Steuer meines Bootes übergebe und nicht versuche, beim nächsten Säuseln des Windes alles wieder an mich zu reissen. Doch das Säuseln des Windes in den hiesigen Breitengraden der Welt ist sehr beständig und mein selbstsüchtiges ich muss ich ständig wieder neu ausrichten auf Gott um mich bewusst mehr und mehr zu lösen von der Welt und mich dafür prägen zu lassen vom Vater. Oft, sehr oft befinde ich mich in diesem Spannungsfeld und frage mich ob ich in diesem Zustand überhaupt diakonisch tätig sein kann, da es mir ja selber nicht gelingt das zu leben wonach ich mich sehne…So bin ich immens dankbar, dass ich mein Versagen immer wieder bei Gott deponieren darf.
In diesem Wissen und in meiner Sehnsucht mich von ihm führen und prägen zu lassen, zünde ich vor jeder Behandlung in meiner Praxis eine Kerze an, im Namen des Vater, des Sohnes und des heiligen Geistes. Danach nehme ich mir bewusst einige Minuten Zeit um zu beten, unabhängig davon ob der Mensch der sich behandeln lässt gläubig ist oder nicht. Was dann zum Teil passiert während den Sitzungen lässt sich kaum in Worten fassen. So einzigartig wie die Menschen sind, so unterschiedlich sind die Beschwerden, und so verschieden die Art und Weise wie der Körper das Leid, den Schmerz oder auch die Freude ausdrückt.
Durch die Berührung passieren faszinierende Dinge: total angespannte Personen schlafen ein auf der Liege, „simple Dinge“ wie z.B. die Durchblutung verbessern sich, Schmerzen können abnehmen oder gänzlich verschwinden. Meine Klienten lasse ich alle am Ende der Behandlung bewusst einen Moment liegen und hole ihnen in der Zwischenzeit ein Glas Wasser. Während sie dieses dann leer trinken, bietet sich die Möglichkeit bei einigen Dingen nachzuhacken, die während der Anamnese nicht erwähnt wurden, während der Massage jedoch aufgefallen sind, auch eventuell hartnäckig festsitzende Schmerzen. Häufig reicht dann eine gezielte Frage und die Person sprudelt nur so, und dann sitze ich einfach da und höre zu. Manchmal bete ich leise für den Menschen gegenüber, manchmal getraue ich mich die Frage „Darf ich für Dich/Sie beten“ zu stellen und durfte schon oft erfahren dass Gott Menschen so ganz unterschiedlich berührt. Schulden werden am Kreuz abgeladen, sogar Vergebung ausgesprochen in Dingen die Jahre Bitterkeit und andere negative Gefühle in Leben verursacht haben. Wenn die Leute das Zimmer dann verlassen gehen viele aufrechter und mich überfällt eine tiefe Ehrfurcht und Freude, dass Gott mich als Werkzeug brauchen konnte. In diesen Momenten bin ich besonders dankbar von zuhause aus arbeiten zu können und nicht fix nur eine bestimmte Zeit zur Verfügung zu haben.
Ich glaube, das ist gelebte Diakonie und ich hoffe und bete, dass es mir gelingt mich immer mehr auf unseren himmlischen Vater auszurichten und wünsche Euch allen von Herzen dasselbe!
Sibylle Broggi-Läubli
(Artikel zu Anlass der Jahrestagung der CDK Schweiz)